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SK Denkmalgerechtes Tauchen 2008

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Findet das "Blaue Wrack"!


Kiel, 16./17. August 2008

Taucher auf der SucheViele Studenten der Archäologie kämen mit Vorstellungen aus den „Indiana Jones“- und „Lara Croft“-Filmen ins Studium, leitete Florian Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Leiter der Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA), den zweitägigen Spezial-Kurs „Denkmalgerechtes Tauchen“ ein. Und auch wenn manch einer der zwölf Teilnehmer gedanklich schon in voller Tauchausrüstung über einem bisher unentdecktem, gut erhaltenem Wrack in klarem, warmen Wasser schwebte: der erste Tag gehörte der wissenschaftlichen Theorie.

Dass diese nicht grau blieb, dafür sorgte der Unterwasserarchäologe Huber, der den vom Tauchsportverband VDST und der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie (DEGUWA) zusammengestellten PowerPoint-Vortrag stets mit Beispielen aus seiner Praxis als Forschungstaucher anreicherte. Schnell wurde den Sporttauchern des TUK e.V. klar, der junge Akademiker steckt Herzblut in seine Arbeit und in das Anliegen, die Öffentlichkeit für die Unterwasserarchäologie und ihre Entdeckungen im Land zwischen den Meeren zu interessieren. Die von Huber und der AMLA ersten in Schleswig-Holstein angebotenen Spezial-Kurse zum denkmalgerechten Tauchen sind daher ideal, um ambitionierte Sporttaucher für die vielfältige Geschichte und versunkenen Artefakte der Region zu sensibilisieren.


Der Theorie-Teil des Kurses erklärte die grundsätzliche Kategorisierung archäologischer Untersuchungen in Siedlungen (z. B. Wasserbauten, Gräber), versenkte Gegenstände (Opfergaben, Deponierungen) und Verlustgegenstände (Schiffe und Einzelfunde) sowie die positive und negative Wirkung natürlicher Konservierung durch Wasser und Sedimentbedeckung bzw. Pilze und Bakterien. Unterwasserarchäologie wird nicht nur in stehenden und fließenden Gewässern wie Süßwasser-Seen (limnisch) und Meeren (maritim) betrieben, sondern auch in Feuchtgebieten wie Mooren.Briefing am Skagerrakufer Sie kann deshalb mit spektakulären Funden aufwarten und ergiebigen Aufschluss über eine Kultur und ihre Lebensweise liefern, weil durch den Luftsauerstoffausschluss Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs in erstaunlich guter Verfassung und oft „in situ“, also an Ort und Stelle, erhalten bleiben. Huber reicherte den Kurs mit einem Bericht über sein aktuelles DFG-Projekt zu den "Funktionen von Inseln in den Binnengewässern der holozänen Siedlungslandschaft Schleswig-Holsteins" und entsprechenden Fundstücken aus der jüngsten Epoche der Erdgeschichte, dem Holozän, an. Ein weiteres Highlight setzte Ruth Blankenfeldt vom Archäologischen Landesmuseum Schleswig als sie präzise und „humoorig“ über Forschungsprojekte im Thorsberger Moor, vor der Möweninsel und vor Haithabu referierte (siehe dazu www.amla-kiel.de <http://www.amla-kiel.de/>   – Forschungsprojekte). Die Entdeckung des so genannten „Karschau-Wracks“ (ca. 1138 n. Chr.) durch einen Anwohner während eines extremen Niedrigstandes der Schlei im Jahre 2000 entwickelte sich nicht nur zu einem spektakulären Fund, sondern zu einem Idealfall von Öffentlichkeitsarbeit für die Unterwasserarchäologie. Das Wrack wurde mit Unterstützung der Anwohner und unter den begeisterten Augen der Bevölkerung geborgen, was die Archäologin und Forschungstaucherin noch heute ins Schwärmen geraten lässt.


 
Das Blaue WrackWas tun, wenn man als Sporttaucher tatsächlich einen Fund macht und annehmen muss, man ist auch der Entdecker? Was, wenn es sich um ein Einzelstück handelt, das man trotz Peilung vermutlich nicht wieder finden wird? Und wem gehören geborgenen Stücke? Grundsätzlich sind versunkene Kulturgüter durch internationale Abkommen und nationale Gesetze geschützt. In Deutschland ist die Gesetzgebung in den einzelnen Bundesländern maßgebend. Als schützenswert werden Artefakte eingestuft, sofern sie eine wissenschaftliche, künstlerische oder historische Bedeutung besitzen. Ausschlaggebend ist die Meinung von Experten. In der Praxis, so Florian Huber, würde man natürlich einen Einzelfund sofort bergen, wenn man Gefahr liefe, ihn nicht wieder ausfindig machen zu können. Entscheidend sei, dass man Funde dem Landesamt melde. Meist könnten Fundstücke behalten werden, wichtig sei dem Landesamt, dass Funde erfasst und bei Bedarf der Wissenschaft zugänglich gemacht werden könnten. Extreme Verstöße gegen das „Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale“ von 1996 werden allerdings schwer geahndet, wie der krimigleiche Fall der bronzezeitlichen „Himmelsscheibe von Nebra“ (siehe dazu www.wikipedia.org <http://www.wikipedia.org/> ) im Jahre 1999 zeigt. Die Raubgräber und Hehler wurden zu Bewährungs- und Freiheitsstrafen verurteilt.

Weniger eindeutig sind ethische Fragen (z. B. bei der Betauchung von modernen Wracks, bei deren Niedergang Menschen ums Leben kamen) zu beantworten bzw. durch Gesetze geregelt. An dieser Stelle wurde eine lebhafte Diskussion mit uneindeutigem Ausgang geführt. Die Frage nach einer ethischen Grenze beim Sporttauchen ist schwer zu beantworten. Sofern Wracks nicht als Ruhestätten oder Kriegsgräber ohnehin gesperrt sind, muss jeder Taucher seinen respektvollen Umgang mit einer Grabstätte selbst finden.
 

 Kursleiter Florian Huber (mitte) beim De-Briefing  Der mit Vorfreude erwartete zweite Kurstag mit Tauchgängen an einem Wrack begann mit sonnigem Wetter und einer Überraschung. Statt dem von Kursleiter und Tauchlehrer zuvor ausgekundschafteten Wrack eines großen Ruderbootes in der Nähe des Kieler Skagerrakufers fanden die Sporttaucher des TUK e.V. ein deutlich größeres Wrack einer hölzernen Motorschaluppe mit blauer Lackierung. Da dieses „Blaue Wrack“ noch viele Details aufweist und mit ca. 7m Länge auch von mehreren Tauchern gleichzeitig betaucht werden kann, wurde es umgehend zum Untersuchungsgegenstand erklärt. Bereits im Theorie-Block wurde das prinzipielle Vorgehen bei einer archäologischen Untersuchung besprochen und im Briefing vor Ort wiederholt. Jetzt konnten die Sporttaucher ihre Tarier-Fähigkeiten unter Beweis stellen und in Gruppen zu Dritt eine Vor-Prospektion durchführen. Bei einem De-Briefing wurden die Mess-Ergebnisse und Lageskizzen verglichen und aufkommende Fragen durch Kursleiter Huber fachgerecht und praxisnah beantwortet.

Viele Fragen an den UW-Arcäologen Huber (rechts)Hat sich der Kurs auch für gut ausgebildete Taucher gelohnt? Auf jeden Fall, denn im SK Denkmalgerechtes Tauchen geht es nicht um tauchtechnische Fähigkeiten, ein gutes Tarieren wird vorausgesetzt. Es geht um unterwasserarchäologische Grundkenntnisse und den richtigen Umgang mit einem Fund. Vor allem aber gilt es, einen Sinn für die kulturhistorische Schätze und die Geschichte des Landes zu entwickeln. Denn etwas Quellenkunde in der Vorbereitung und ein für Fundstellen geschärftes Auge verleihen dem Sporttauchen zusätzliche Spannung. Denn die meisten Wracks in der Ostsee sind noch nicht entdeckt.

 

 

 

 

Alle Informationen zu den Kursen sowie Kontaktdaten finden sich hier.

 

Weitere interessante Links:

AMLA-Homepage mit vielen Infos rund um UW-Forschungsprojekte in SH sowie Formular für Fundmeldungen: www.amla-kiel.de 

Ausgrabungen im Thorsberger Moor: www.kaiserzeitimnorden.de  

Die „MS Seefuchs“ - Basisschiff für unterwasser-archäologische Forschungen, aber auch private Tauchexpeditionen: www.seefuchs.de 

 

Daniel Krönke, TUK e.V., August 2008